Ruhrtriennale-Intendantin beklagt soziale Spaltung des Ruhrgebiets

epd-bild / epd West / Ruth Walz/RuhrTriennale Die Intendantin der Ruhrtriennale, Stefanie Carp, bedauert, dass ihr Festival kein sozial gemischtes Publikum aus der Region anspricht.

09.08.2019

Man müsse sich nicht der Illusion hingeben, dass die Menschen aus Duisburg-Marxloh zu den Veranstaltungen kommen, sagte Carp der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Freitag). In der Straßenbahn treffe sie viele Menschen, die das Wort "Ruhrtriennale" sicher noch nie gehört hätten. Das Festival mit 840 Künstlern aus 35 Ländern beginnt am 21. August in Bochum. Bis zum 29. September sind 35 Produktionen und Projekte zu sehen, darunter 14 Ur- und Erstaufführungen.

"Es gibt einen Teil der Bevölkerung, der an der Kultur und Wissenschaft teilnimmt, aber offenbar gar nicht unbedingt in der Region lebt, sondern an- und abreist", sagte Carp, deren dreijährige Intendanz bis 2020 unter dem Motto "Zwischenzeit" steht. Die Besucher der Ruhrtriennale ordnete sie als ein "etabliertes Musiktheater-Publikum" ein.

"Brutale Zweiklassengesellschaft"

Im Ruhrgebiet gebe es unglaublich gute Fakultäten, viele Studierende, Museen, Kunstvereine, Stadttheater und andere Kulturstätten. Sie erfahre aber auch eine "extreme soziale Spaltung, eine brutale Zweiklassengesellschaft": "Daneben gibt es so viele Menschen, die hier dauerhaft in einer erschütternd verlorenen, prekären Situation leben."

Einzelne Projekte reichten nicht aus, um ein sozial anderes oder diverseres Publikum zu erreichen, sagte Carp. Dafür brauche es "ein ganz anderes Konzept der Ruhrtriennale". Kein einzelner Intendant könne das jedoch während seiner dreijährigen Spielzeit schaffen: "Es bräuchte einen viel längerfristigen Prozess, eine radikal andere Programmierung und eine andere Form von Intendanz, die vielleicht gar nicht Intendanz heißt", schlug sie vor.