Herero-Aktivist: «Wir fühlen uns nicht ernstgenommen»

epd-bild/Christian Ditsch Herero-Aktivist Israel Kaunatjike hat erneut gefordert, Vertreter der Herero und Nama an den Verhandlungen zur Aufarbeitung des Völkermordes Anfang des 20. Jahrhunderts im damaligen Deutsch-Südwestafrika zu beteiligen.

09.08.2019

Noch immer rede die Bundesregierung nicht direkt mit den Opfern, kritisierte der 72-jährige Nachfahre überlebender Herero im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Wir fühlen uns nicht ernstgenommen, Deutschland muss direkt mit den indigenen Völkern sprechen", betonte Kaunatjike.

Der in Berlin lebende Herero vom Bündnis "Völkermord verjährt nicht!" spricht am Sonntag (11. August) während einer Gedenkstunde am Mahnmal des Völkermordes an Herero und Nama in Bremen. Vor mehr als einem Jahrhundert ermordeten deutsche Kolonialtruppen Zehntausende Angehörige der Herero, Nama und anderer Völker. Auftakt für den Genozid im heutigen Namibia war die Schlacht von Ohamakari am 11. August 1904, auch als "Schlacht am Waterberg" bekannt.

Verhandlungen über Entschuldigung

Historiker bezeichnen die Gräueltaten als "ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts". Deutschland verhandelt mit der namibischen Seite über eine offizielle Entschuldigung für den Völkermord und eine deutsch-namibische Zukunftsstiftung, die Bildungs- und Forschungsprojekte fördern soll. "Die Erinnerung an den Völkermord ist zentral, die Opfer müssen immer in unseren Herzen bleiben", sagte Kaunatjike und fügte hinzu: "Erinnerung ist ein Teil der Versöhnung."

Doch die werde es nicht geben, wenn Vertreter von Opferorganisationen wie der Ovaherero and Ovambanderu Genocide Foundation nicht an den Verhandlungstisch geholt würden. "Wir fühlen uns von der namibischen Regierung nicht richtig vertreten."

Jahrelanges Warten beklagt

Zentral sei für Herero, Nama und andere Opfer des Völkermordes auch eine offizielle Entschuldigung Deutschlands etwa durch eine Erklärung des Bundestages. "Darauf warten wir seit Jahren", bekräftigte Kaunatjike. Verbunden damit sei die Frage nach Reparationszahlungen, die getrennt von der Entwicklungshilfe für Namibia behandelt werden müsse.

Das Geld dürfe nicht der namibischen Regierung übergeben werden, "die ist korrupt", mahnte der Herero-Vertreter. Kaunatjike schlug die Gründung eines Gremiums mit Vertretern der Opferverbände vor, das Zahlungen und ihre Verwendung kontrollieren soll. Trotz der bestehenden Probleme und der mittlerweile lang andauernden Verhandlungen sei er aber "sehr optimistisch", was Lösungen angehe. Es sei schon viel erreicht worden. "Und wichtig ist, dass die Politik darüber redet."