Bauhaus im original in Berlin

epd-bild/Jens Schlüter Eine Jubiläumsausstellung zeigt mehr als 1.000 Objekte der weltberühmten Designschule Bauhaus.

04.09.2019

Die Veranstaltungen zum 100-jährigen Bestehen des Bauhauses bieten von Freitag an einen weiteren Ausstellungshöhepunkt: In Berlin werden unter dem Motto "original bauhaus" über 1.000 berühmte, bekannte oder teils vergessene Bauhaus-Originale präsentiert. Sie stammen aus den Beständen des Bauhaus-Archivs oder sind besondere Leihgaben aus internationalen Sammlungen, wie die Berlinische Galerie am Mittwoch ankündigte. Die Jubiläumsausstellung ist dort bis zum 27. Januar 2020 zu sehen. Es handelt sich um eine von insgesamt drei großen Jubiläumsausstellungen in diesem Jahr in Berlin, Weimar und Dessau.

Zahlreiche Gegenstände erstmals zu sehen

Zahlreiche Ausstellungsobjekte werden erstmals öffentlich präsentiert, wie die Direktorin des Bauhaus-Archivs/Museum für Gestaltung, Annemarie Jaeggi, betonte. Von den gezeigten Exponaten seien 80 Prozent aus dem Berliner Bauhaus-Archiv, das die weltweit größte Sammlung von Bauhaus-Werken besitzt. 20 Prozent der Ausstellungsstücke seien Leihgaben aus dem In- und Ausland.

Erstmals werden demnach sieben Tee-Extraktkännchen von Marianne Brandt gezeigt. Weltweit gebe es nur acht dieser Bauhaus-Kännchen, betonte Kuratorin Nina Wiedemeyer. Zu sehen sind aber auch Marcel Breuers berühmte Stahlrohrstühle, Oskar Schlemmers Arbeiten auf Papier zum "Triadischen Ballett", Fotogramme von László Moholy-Nagy und Lucia Moholy sowie der Teppich "thost" von Gertrud Arndt.

Hinzu kommen Walter Gropius' Glas-Dias sowie Karteikarten und historische Bauhaus-Fotopostkarten. Darüber hinaus sind Fotomontagen von Hanna Höch und ihr Adressbuch aus der Sammlung der Berlinischen Galerie zu sehen, Fotogramme von Man Ray und El Lissitzky und eine Kopie von Oskar Schlemmers "Bauhaustreppe".

Verbindungen von Unikat und Serie

Ausgehend von 14 Objekten will die Ausstellung zudem 14 Fallgeschichten nachzeichnen und unter anderem der Frage nachgehen, wie die Sitzende im Stahlrohrsessel zur berühmtesten Unbekannten des Bauhauses wurde. Beantwortet werden solle auch die Frage, ob das Haus am Horn in Weimar einen heimlichen Zwilling hat. Auch der Frage, wieso das Tee-Extraktkännchen immer ein Unikat blieb, geht die Schau nach. Die Ausstellung zeige zudem, wie Unikat und Serie, Remake und Original in der Geschichte des Bauhauses unzertrennlich verbunden seien, hieß es weiter.

Einen besonderen Schwerpunkt legt die Ausstellung zudem auf die Bauhaus-Didaktik, wie Kuratorin Wiedemeyer weiter betonte. Ziel der experimentellen Lehr- und Unterrichtsmethoden des Bauhaus sei es gewesen, im Spannungsfeld zwischen Individualität und Gemeinschaft eigenständige Persönlichkeiten auszubilden. Auch wegen dieses immateriellen Erbes sei das Bauhaus so weltberühmt geworden.

Das 100. Bauhaus-Jubiläum wird in diesem Jahr bundesweit gefeiert. Im Jahresverlauf waren dazu mehr 600 Veranstaltungen in ganz Deutschland geplant. Im April 1919 als interdisziplinär arbeitende Hochschule für Gestaltung in Weimar gegründet, galt die Schule als innovative Ideenschmiede und Experimentierfeld für Kreative. 1925 zog das Bauhaus nach Dessau, 1932 nach Berlin, wo es sich 1933 auf Druck der Nationalsozialisten auflöste. Das Bauhaus gilt als einflussreichste Stilepoche in den Bereichen Architektur, Kunst und Design im 20. Jahrhundert.