Diese Woche neu im Kino

epd-bild/Grandfilm Interessante neue Filme im Kino - ausgewählt von der Redaktion von epd Film.

05.09.2019

Und der Zukunft zugewandt

Wie kann man an ein System glauben, das einem alles genommen hat? Die überzeugte Kommunistin Antonia Berger kehrt 1952 nach Jahren in einem sibirischen Arbeitslager zurück in die DDR und beginnt ein neues Leben. Zwar wird Antonias kranke Tochter bestens medizinisch versorgt und sie bekommt einen ansehnlichen Job - die Ermordung ihres Mannes im Lager wird dadurch jedoch nicht ungeschehen gemacht. Das Schweigen über die Gräuel der Vergangenheit ist der Preis, den Antonio für ihren Neuanfang in Deutschland und ihre Beziehung zu dem Arzt Konrad zahlen muss. Bernd Böhlich wagt sich an ein lange verdrängtes, moralisch und politisch komplexes Thema. Regie und Buch: Bernd Böhlich. Mit: Alexandra Maria Lara, Robert Stadlober, Stefan Kurt, Barbara Schnitzler, Karoline Eichhorn, Peter Kurth. Länge: 108 Minuten. FSK: ab 12 Jahren. Deutschland 2019.

Diego Maradona

Diego Maradona gilt für viele als der beste Fußballspieler aller Zeiten, als wahre Legende. Doch wie steil war der Weg zum Ruhm und wie tief der Fall? 1984 wechselt Maradona für eine Rekord-Ablösesumme vom FC Barcelona zum SSC Neapel, wo er wie ein Gott verehrt wird. Doch Diego gerät an die Mafia, wird mit Drogen, Sex und Partys versorgt, hat schließlich mit Skandalen und Anklagen zu kämpfen, bis er Italien 1991 verlassen darf – er ist danach nicht mehr derselbe. Sein TV-Auftritt 2004 markiert einen der emotionalsten und bedrückendsten Momente des Films von Regisseur Asif Kapadia, der sich einer Fülle von Archivmaterial bedient und sich bereits mit Dokumentarfilmen über Ayrton Senna und Amy Winehouse einen Namen gemacht hat. Regie und Buch: Asif Kapadia. Mit: Diego Armando Maradona, Daniel Arcucci, Alberto Bigon, Diego Maradona Jr., Claudia Villafañe. Länge: 130 Minuten. FSK: ab 12 Jahren. Großbritannien 2019.

Synonymes

Das alte Leben zurückzulassen und neue Wurzeln zu schlagen, ist schwieriger als gedacht. Zumindest trifft das auf Yoav (Tom Mercier) zu, der kein Israeli mehr sein und sich komplett von seiner Herkunft abgrenzen will. In Frankreich, in Paris, will er sich vollständig integrieren, doch schon bei dem Einzug in die neue Wohnung wird ihm sein ganzes Hab und Gut gestohlen und er muss fürs erste bei seinen Nachbarn unterkommen. Émile und Caroline sind seine Verbindung zu Paris, zu seiner neuen Identität, die er durch manisches Vokabellernen und Integrationskurse zu festigen versucht. Auf den Erfahrungen von Regisseur und Drehbuchautor Nadav Lapid beruhend erzählt der Film nachdenklich, komisch und in großartigen Bildern von einem Versuch der Verwandlung. Auf der Berlinale gab es dafür den Goldenen Bären. Regie und Buch Nadav Lapid. Mit: Tom Mercier, Quentin Dolmaire, Louise Chevillotte, Uri Hayik. Länge: 123 Minuten. FSK: ab 12 Jahren. Frankreich/Israel/Deutschland 2019.

Petting statt Pershing

15 Jahre nach der 68er-Bewegung haben ihre Ideen die hessische Provinz erreicht und prägen das Weltbild der 17-jährigen Ursula (Anna Florkowski), die sich nach Gleichgesinnten sehnt. Ihr Wunsch scheint in Erfüllung zu gehen, als ein neuer Lehrer an die Schule kommt. Der linksalternative Siegfried Grimm trifft mit seinen Selbstbefriedigungskursen und gewaltfreien Protesten gegen Atomenergie in jeder Hinsicht in Ursulas Herz. Und nicht nur sie - ein Großteil der weiblichen Bevölkerung des Dorfes, selbst Ursulas Mutter, scheint Gefallen an Herrn Grimm zu finden. Als Ursula entdeckt, dass Grimms korrekte Haltung geheuchelt ist und er sich ausschließlich mit anderen Frauen amüsiert, schlägt ihre Stimmung um. Die Hauptdarstellerin Anna Florkowski glänzt in dem autobiografisch angehauchten Film von Petra Lüschow. Regie und Buch: Petra Lüschow. Mit: Anna Florkowski, Florian Stetter, Christina Große, Thorsten Merten, Britta Hammelstein. Länge: 97 Minuten. FSK: ab 12 Jahren. Deutschland 2018.