West-Störche brüten häufiger als Ost-Störche

epd-bild/Rolf K. Wegst Die unterschiedlichen Winterquartiere der Weißstörche sind nach Angaben des Nabu-Storchenexperten Christoph Kaatz ursächlich für das West-Ost-Gefälle.

04.10.2019

Bei den in Deutschland brütenden Weißstörchen gibt es offenbar auch ein West-Ost-Gefälle. Während in diesem Jahr die Zahl der Brutpaare in den westlichen Bundesländern weiter zunahm, ging der Brutbestand in den östlichen Bundesländern tendenziell leicht zurück oder stagnierte, wie der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) am Freitag in Berlin mitteilte. Gesamtdeutsch geht der Nabu aber von mehr Brutpaaren aus als im Vorjahr.

Mangel an Regenwürmern

Ursächlich für das West-Ost-Gefälle sind nach Angaben des Nabu-Storchenexperten Christoph Kaatz die unterschiedlichen Winterquartiere der Weißstörche. Während die ostdeutsche Population meist im östlichen Afrika, im Sudan, Tschad bis hinunter nach Südafrika überwintert, ziehen die westdeutschen Störche mehrheitlich auf die Iberische Halbinsel. Dort verbrächten sie den Winter auf Mülldeponien und Reisfeldern. "Kürzerer Zugweg und große Nahrungsressourcen bieten den Störchen im Westen ideale Überlebensbedingungen mit der Folge, dass ihre Zahl seit längerer Zeit kontinuierlich zunimmt", erläuterte Kaatz.

Im Osten wurde die Jungenaufzucht zudem durch die andauernde Trockenheit und einem Mangel an Regenwürmern beeinträchtigt. In Teilen Westdeutschlands führten wiederum starke Regenfälle im Mai zu zahlreichen Verlusten beim Nachwuchs. Im Nordwesten Deutschlands sei die diesjährige Brutsaison dagegen außergewöhnlich gut gewesen, weil es dort im Sommer Feldmäuse in Hülle und Fülle gab. 2018 gab es laut Nabu bundesweit mehr als 6.900 Weißstorch-Brutpaare. Genaue Daten für dieses Jahr liegen noch nicht vor.