«Spiegel»: Reichelt will mit «Bild»-TV ARD und ZDF angreifen

epd-bild/Rolf Zoellner Der Axel Springer Verlag will "Bild" zur TV-Marke ausbauen. "Wir wollen das Land, die Welt, die Politik und den Alltag der Menschen so zeigen, wie es die Leute erleben", sagt "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt.

04.10.2019

"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt plant einem "Spiegel"-Bericht zufolge das künftige Fernsehprogramm des Boulevardblatts als Gegenentwurf zu ARD und ZDF. "Wir wollen das Land, die Welt, die Politik und den Alltag der Menschen so zeigen, wie es die Leute erleben, und nicht so steril und weichgespült wie teilweise bei den Öffentlich-Rechtlichen", sagte Reichelt dem Nachrichtenmagazin.

Er denke, dass es "den Leuten massiv auf die Nerven geht, wenn sie dauernd erfahren, warum über manche Dinge nicht berichtet wird, statt zu sehen, was eigentlich passiert ist", sagte Reichelt. Als Beispiel nannte er die Schwertattacke von Stuttgart: Ein Migrant hatte seinen Mitbewohner auf der Straße erstochen, der Mann war mutmaßlich mit gefälschten Papieren eingereist. "Nachdem darüber in den überregionalen Nachrichten tagelang nicht berichtet wurde, ist auch bei den Öffentlich-Rechtlichen angekommen, dass darin politische Relevanz steckt", erklärte der "Bild"-Chef. Wegen übertrieben sensationeller Berichterstattung über den Schwertmord waren "Bild" und "bild.de" vom Deutschen Presserat gerügt worden.

Personalabbau geplant

Zur Umsetzung der TV-Pläne sagte Reichelt weiter: "Wenn nötig, schicken wir zehn Leute los, die innerhalb von 24 Stunden vor Ort und sendefähig sind. Die brauchen nicht erst Satellitenschüsseln, Übertragungswagen, Maske und ewige Planungskonferenzen."

Anfang der Woche hatte der Verlag Axel Springer ankündigt, "Bild" zur TV-Marke auszubauen. Zudem soll das schrumpfende Printgeschäft umgekrempelt werden. Die Redaktionen von "Bild" und "Bild am Sonntag" werden demnach zusammengelegt, die werktägliche Ausgabe von "Welt kompakt" eingestellt. In Verlag, Redaktionen, Vertrieb und Vermarktung ist Personalabbau geplant.

Der US-Großinvestor KKR übernimmt künftig mehr als 40 Prozent der Springer-Anteile, er will den Konzern von der Börse nehmen. Der Einstieg muss noch von mehreren Aufsichtsbehören genehmigt werden. Insgesamt will Springer im Konzern-Segment News Media National, zu dem "Welt" und "Bild" gehören, in den kommenden drei Jahren mehr als 100 Millionen Euro investieren. Das Geld soll den Angaben zufolge vor allem in Video, Sport und Bezahlangebote fließen. Zugleich soll aber auch gespart werden. Die Springer-Zeitungen verlieren seit Jahren drastisch an Auflage.