Studie: Ungleichheit in Deutschland auf Höchststand

epd-bild/Steffen Schellhorn Trotz der über Jahre guten wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland steigt die Ungleichheit der Einkommen einer Studie zufolge weiter. Hohe Einkommensgruppen hätten "von sprudelnden Kapital- und Unternehmenseinkommen profitiert".

07.10.2019

Die Ungleichheit bei den Einkommen in Deutschland hat laut einem Bericht der Hans-Böckler-Stiftung einen Höchststand. Der Gini-Koeffizient, das gebräuchlichste Maß für Ungleichheit, habe Ende 2016 mit einem Wert von 0,297 um zwei Prozent höher gelegen als 2005, wie eine am Montag in Düsseldorf veröffentlichte Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Stiftung zeigt. Im Vergleich zum Ende der 1990er-Jahre sei die Kennzahl sogar um rund 19 Prozent gestiegen.

Der Gini-Koeffizient kann Werte von 0 bis 1 annehmen. Bei einem Wert von 0 besitzen alle gleichviel, während der Wert 1 für maximale Ungleichheit steht, bei der eine Person alles besitzt.

Haushalte mit den geringsten Einkommen zurückgefallen

Trotz der über Jahre guten wirtschaftlichen Entwicklung wächst die Ungleichheit der Einkommen der Studie zufolge weiter. Das liege vor allem an zwei Faktoren: Hohe Einkommensgruppen hätten "von sprudelnden Kapital- und Unternehmenseinkommen profitiert". Gleichzeitig seien die 40 Prozent der Haushalte mit den geringsten Einkommen zurückgefallen.

Die Armutslücke ist der Studie zufolge zwischen 2011 und 2016 preisbereinigt um 29 Prozent gewachsen und um 779 Euro auf 3.400 Euro gestiegen. Diese Summe beziffert das Jahreseinkommen, das armen Haushalten rechnerisch fehlt, um die Armutsgrenze von 60 Prozent des mittleren Einkommens zu überschreiten. Die Studie basiert auf der repräsentativen Befragung von 25.000 Menschen, die in Deutschland für das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) vorgenommen wird.