Verband: Bildungshilfen erreichen benachteiligte Kinder nicht

epd-bild / Mauricio Bustamante Das Bildungs- und Teilhabepaket gehe "komplett an der Lebensrealität Heranwachsender vorbei", kritisiert der Geschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, Ulrich Schneider. Der Verband fordert eine einkommensunabhängige Kindergrundsicherung.

08.10.2019

Als unzureichend kritisiert der Paritätische Wohlfahrtsverband die staatlichen Hilfen für Kinder aus einkommensschwachen Familien. Weniger als 15 Prozent der bedürftigen Schülerinnen und Schüler unter 15 Jahren profitierten von den Leistungen für Schulsachen und Freizeit, teilte der Sozialverband am Dienstag in Berlin unter Berufung auf eine Studie des Verbandes mit. Folglich würden 85 Prozent der Mädchen und Jungen mit Anspruch auf die sogenannten Teilhabeleistungen nicht erreicht.

In der Analyse der Paritätischen Forschungsstelle heißt es, die durchschnittliche Quote bewilligter Anträge sei "niederschmetternd gering". Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, Ulrich Schneider, kritisierte, das Bildungs- und Teilhabepaket gehe "komplett an der Lebensrealität Heranwachsender und den Strukturen vor Ort vorbei". Es sei auch durch Reparaturen nicht zu retten, weshalb sich die Bundesregierung von dem Paket verabschieden solle. Der Verband forderte einen Rechtsanspruch auf Angebote der Jugendarbeit für bedürftige Jungen und Mädchen und außerdem eine einkommensunabhängige Kindergrundsicherung.

Änderungen nur "Trostpflaster"

Das Bildungs- und Teilhabepaket für Kinder und Jugendliche war 2011 eingeführt worden und sieht zehn Euro im Monat beispielsweise für Mitgliedsbeiträge in Sportvereinen vor sowie regelmäßige Unterstützungen pro Schuljahr für Bücher, Mittagessen oder Klassenausflüge. Anspruch haben Kinder, die Hartz-IV-Leistungen beziehen oder deren Eltern Anspruch auf Wohngeld oder Kinderzuschlag haben.

Die Studie des Paritätischen bezieht sich auf den Zeitraum von August 2017 bis Juli 2018. Mit dem im Juli in Kraft getretenen "Starke-Familien-Gesetz" wurden allerdings die Hilfen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket erhöht: Für Schulmaterialien gibt es nun 150 statt bisher 100 Euro, für Vereinsbeiträge 15 statt zehn Euro im Monat. Der Paritätische Wohlfahrtsverband kritisierte die Änderungen jedoch als "Trostpflaster", sie seien keine zufriedenstellende Lösung.