Marx: Industrieländer für Regenwald-Zerstörung mitverantwortlich

epd-bild/Annette Zoepf Kardinal Reinhard Marx betonte auf der derzeit im Vatikan stattfindenden Amazonas-Synode, dass die Industrieländer beim Klimaschutz besonders gefordert seien. Ein rascher Ausstieg aus fossilen Energieträgern sei nötig, um den Klimawandel aufzuhalten.

08.10.2019

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat bei der Amazonas-Synode in Rom die Mitverantwortung der Industrieländer für die Zerstörung des tropischen Regenwalds betont. "Wenn weiterhin Waldflächen gerodet werden - wofür die Industrieländer angesichts der globalen Handelsverflechtungen eine Mitverantwortung tragen - droht der Tropenwald komplett auszutrocknen, mit unkalkulierbaren Folgen für das Weltklima", sagte er am Montagabend vor der Synode. Klima sei ein "globales Kollektivgut", das geschützt und für die nachfolgenden Generationen bewahrt werden müsse.

Um den Klimawandel aufzuhalten, sei ein rascher Ausstieg aus fossilen Energieträgern nötig, betonte Marx, der als Mitglied des Kardinalsrats an der Bischofssynode teilnimmt. Die nach ihrer ursprünglichen Mitgliederzahl auch K9 genannte Gruppe arbeitet an einer Reform der vatikanischen Kurie.

Marx: nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster entwickeln

Industrieländer müssten verhindern, dass "die ökologischen und sozialen Folgekosten wirtschaftlichen Handelns auf unbeteiligte Dritte abgewälzt werden", sagte der Kardinal unter Anspielung auf die Verantwortung von Industrienationen in seiner Ansprache an die rund 280 Teilnehmer. Diese seien angesichts ihres Ausstoßes von Treibhausgasen beim Thema Klimaschutz besonders gefordert. Marx rief sie auf, nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster zu entwickeln. Überdies stünden sie in der Pflicht, Entwicklungsländer bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen.

Bei der dreiwöchigen Bischofssynode unter dem Leitwort "Amazonien - Neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie" geht es vorrangig um Umweltschutz, Indigene und Priestermangel. Bischofssynoden im Vatikan haben rein beratenden Charakter. Auf der Grundlage des Abschlussdokuments wird der Papst ein nachsynodales Schreiben verfassen, in das er nach eigenem Ermessen Anregungen der Versammlung aufnehmen kann.

Zu den als Zuhörern eingeladenen Teilnehmern der Synode gehören auch 17 Vertreter der Ureinwohner. Aus Deutschland nehmen neben dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Marx, die in Peru lebende Theologin Birgit Weile sowie die Hauptgeschäftsführer der katholischen Hilfswerke Adveniat und Misereor, Michael Heinz und Pirmin Spiegel, teil. Als Experte will im Zusammenhang mit der Zerstörung des Regenwalds im Amazonas-Gebiet der Gründungsdirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, nach Rom kommen.