Medienbischof: Kirche wird ohne Engagement im Netz scheitern

epd-bild/Gerhard Baeuerle Die Kirche werde an ihrem Auftrag, den Menschen das Evangelium zu verkünden, scheitern, wenn sie in Sozialen Netzen nicht am Dialog teilnehme, sagt Gebhard Fürst, der Medienbischof der katholischen Deutschen Bischofskonferenz.

09.10.2019

Auf die Bedeutung des Internets für die Kirchen hat der Medienbischof der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Gebhard Fürst, hingewiesen. "Wenn wir dort als Kirche nicht präsent sind, laufen wir Gefahr, viele Menschen einfach nicht zu erreichen, weil wir in ihrem Leben schlicht nicht mehr vorkommen", sagte Fürst am Mittwoch in Stuttgart. Die Kirche werde an ihrem Auftrag, den Menschen das Evangelium zu verkünden, scheitern, wenn sie in Sozialen Netzen nicht am Dialog teilnehme, unterstrich Fürst, der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist.

Hin zu bildlicher Kommunikation

Eine Herausforderung sieht der Theologe darin, von der traditionellen Textorientierung kirchlicher Verlautbarungen hin zu bildlicher Kommunikation zu kommen, wie sie sich im Netz zunehmend durchsetze. Es sei unbestritten, dass die Kirche die Aufgabe habe, auf die digitalen "Marktplätze" zu gehen. Sie müsse mit einem breiten pastoralen Angebot in den Sozialen Netzwerken vertreten sein, sagte Fürst bei einer Medientagung der Akademie seiner Diözese.

Die Wirtschaftsjournalistin Ursula Weidenfeld sieht durch die Aufspaltung der Gesellschaft in verschiedene digitale Teilöffentlichkeiten das verbindende "Wir" bedroht. In den USA und Kanada gebe es inzwischen große Gebiete, in denen es keine lokalen Medien mehr gebe und kein institutionalisierter Austausch der Bürger mehr stattfinde. In Deutschland existierten als Formate, die breite gesellschaftliche Schichten verbinden, im Fernsehen nur noch der "Tatort" und die Fußball-Weltmeisterschaft. Parallel dazu sinke das Zutrauen der Bevölkerung in das politische System und die Bereitschaft, sich zu engagieren, sagte Weidenfeld.